HERA

Wie können wir ‚Artefakte'-Vorfahren begegnen [und sie repatriieren].
Ein interdisziplinärer Dialog über Sammlungen menschlicher Überreste in deutschen und französischen Museen

HERA
Vitrine vide mise en oeuvre dans la cadre de la restitution d’un tête maori en 2012_(c) MAAOA_Ville de Marseille

Zusammenfassung

Sammlungen der Physikalischen Anthropologie (die menschliche Überreste, anthropometrische Fotografien, Gipsabgüsse und viele weitere materielle Spuren der Rassenanthropologie umfassen) sind vielleicht das paradigmatische Beispiel einer problematischen Sammlung. Zunehmend weisen Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen darauf hin, dass das moderne Museum ein par excellence-Ort der Überlieferung und Reproduktion von Imperien war (Bennett, 1995), einschließlich eines „Wissensimperiums“, das auf disziplinären Praktiken des Sammelns, auf Expeditionen und ethnografischer Feldforschung beruht (Rassool, 2015). Viele unterstützen inzwischen die Notwendigkeit, das „Empire zu überwinden“ („undoing Empire“) (Buscaglia-Salgado, 2003). Diese Forderung bedeutet nicht „nur“ die Wiederbestattung menschlicher Überreste, sondern auch eine Reflexion über die Ethik der Bewahrung, Verwaltung und Erforschung (oder Nicht-Erforschung) menschlicher Überreste indigener Bevölkerungen – wobei Forschende aus verschiedenen Disziplinen in einen Dialog mit den Gemeinschaften treten, deren Vorfahren fotografiert, untersucht, dokumentiert oder in Objekte der physikalisch-anthropologischen Forschung transformiert wurden.

Das Hauptziel dieses Projekts ist die Schaffung eines interdisziplinären Netzwerks von Forschenden, die zur Geschichte von Sammlungen menschlicher Überreste aus Zentral- und Südafrika arbeiten, mit besonderem Schwerpunkt auf Provenienzforschung. Das Projekt umfasst zwei universitäre Einrichtungen aus Frankreich und Deutschland (inherit. heritage in transformation, Humboldt-Universität zu Berlin, und die École des Hautes Études en Sciences Sociales in Marseille), eine unabhängige, gemeinnützige künstlerische Organisation und Kulturplattform mit Sitz in Berlin (SAVY Contemporary), zwei universitäre Einrichtungen aus Subsahara-Afrika (University of Kinshasa und University of the Western Cape) und hat als zentrale Partner drei Museen (Ethnologisches Museum in Berlin, das Berlin Museum für Medizingeschichte der Charité sowie das Musée d’Arts Africains, Océaniens, Amérindiens in Marseille). Expert:innen außerhalb dieser Institutionen sind ebenfalls beteiligt, sowohl aus Museums- und Universitätskontexten in beiden Ländern (z. B. Technische Universität Berlin) als auch aus transnationalen Institutionen (z. B. International Committee for Museology).

Das Projekt ist in zwei aufeinanderfolgende fünfmonatige Phasen strukturiert. Die erste Phase beginnt mit einem Online-Austausch von Informationen und einem Dialog zwischen Museumsfachleuten und Forschenden, einschließlich eines methodologischen Workshops mit dem Titel Doing Provenance Research in Germany: Tools, Databases, and Access (Mai 2026). Diese Phase kulminiert in einem einwöchigen Präsenzworkshop in Berlin (Juni 2026), der in zentralen Museen wie dem Ethnologischen Museum und dem Berlin Museum für Medizingeschichte der Charité sowie in kollaborativen Sitzungen in den Räumen von inherit und bei SAVY Contemporary stattfindet und eine kollektive Reflexion und Synthese der Ergebnisse fördert.

Die zweite Phase folgt einem ähnlichen Muster aus Online-Austausch und praxisorientierter Forschung, einschließlich eines methodologischen Workshops mit dem Titel Doing Provenance Research in France: Tools, Databases, and Access (Juli 2026). Diese Phase kulminiert in einem intensiven einwöchigen Workshop (November 2026) im Musée d’Arts Africains, Océaniens, Amérindiens in Marseille (MAAOA) sowie in weiteren Museumsumgebungen, universitären Forschungsräumen und Archivbeständen in Marseille und Aix-en-Provence. Eine öffentliche Veranstaltung (13. November) bringt Teilnehmende, Museumsmitarbeitende und eingeladene Expert:innen zusammen, um Erkenntnisse zu teilen, Ergebnisse zu präsentieren und einen breiteren Dialog anzustoßen.