Objets de mémoires. Der deutsch-französische Provenienzforschungsfonds präsentiert in Paris die Ergebnisse einer dreijährigen länderübergreifenden und vernetzten Forschung und Forschungsförderung.
Pressemitteilung – 06.11.2026
Vom 18. bis 20. November 2026 bringt der deutsch-französische Provenienzforschungsfondsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika in Paris mehr als 90 Forscher*innen, Kurator*innen und Museumsfachleute aus Frankreich, Deutschland und mehreren afrikanischen Ländern zusammen, die an seinen 18 geförderten Projekten mitgewirkt haben. Mehr als 35 von ihnen reisen zu diesem Anlass aus Afrika an. Während des dreitägigen Symposiums präsentieren sie im Rahmen mehrerer öffentlicher Veranstaltungen ihre Erkenntnisse, Methoden und Erfahrungen.
Seit dreißig Jahren hat sich die Provenienzforschung in Europa entsprechend den rechtlichen Rahmenbedingungen und Prioritäten der einzelnen Länder stark weiterentwickelt. Das Ergebnis ist ein Fachgebiet mit großem Fachwissen und hohem Vernetzungspotenzial. Die Kulturgüter hingegen haben Grenzen überschritten und zirkulierten nicht nur zwischen Händlern und Sammlern, sondern auch zwischen den Sammlungen europäischer Museen. Diese Situation betrifft Zehntausende von Kulturgütern aus Subsahara-Afrika, die überwiegend im kolonialen Kontext erworben wurden. Heute ist es unerlässlich, den Weg dieser Sammlungen nachzuverfolgen, um die Umstände ihrer Entstehung zu beleuchten. Dafür braucht es transnationale Forschungsteams die sich in ihrer Arbeit auf auf materielle und immaterielle Quellen stützen.
Das ist das Ziel des Provenienzforschungsfondsfonds. Seit drei Jahren unterstützt er vernetzte Forschungsprojekte, die gemeinsam von Teams aus Frankreich, Deutschland und mehreren afrikanischen Ländern durchgeführt werden. Der Fonds fördert zudem einen transdisziplinären Ansatz, bei dem Geschichte und Kunstgeschichte mit Anthropologie, Rechtswissenschaften oder auch Materialchemie zusammenwirken. Zu seinen Methoden zählen insbesondere oral history, gemeinschaftliche Forschung mit den lokalen communities und künstlerische Vermittlung. Das Symposium hat zum Ziel, aufzuzeigen, welche Erkenntnisse diese einzigartige deutsch-französische Initiative bereits hervorgebracht hat, und gemeinsam darüber nachzudenken, was getan werden muss, um die eingeleitete Dynamik fortzusetzen.
Höhepunkte des Programms
Vollständiges Programm: https://provenanceresearchfund.org/en/symposium/
Eine einzigartige Performance: Un serpent au musée. Zora Snake, ein kamerunischer Tänzer, Choreograf und Performer, wird eine Performance mit Werken aus den Sammlungen des Musée du quai Branly-Jacques Chirac präsentieren. Diese Exponate verlassen zum ersten Mal die Sammlungen des Museums, um in eine Live-Performance integriert zu werden. Am 18. November.
Ein Vortrag von Souleymane Bachir Diagne, Philosoph und emeritierter Professor der Columbia University. Im Musée du quai Branly-Jacques Chirac, am 18. November.
Ein Abschlussvortrag von Felwine Sarr: Restituer: une politique des temps. Schriftsteller und Ökonom, Mitautor des Sarr-Savoy-Berichts. In der Cité internationale universitaire de Paris, am 20. November.
Der Provenienzforschungsfondsfonds. Vernetzt und international.
Der deutsch-französische Provenienzforschungsfondsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika, der im Centre Marc Bloch angesiedelt ist, wurde im Januar 2024 vom französischen Kulturministerium (MC) und dem deutschen Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) ins Leben gerufen. Damit knüpfen die beiden Regierungen an ihren Willen an, eine europäische Erinnerungspolitik zu etablieren, die auf wissenschaftlicher Zusammenarbeit basiert und über nationale Debatten zur Rückgabe hinausgeht. Bis heute ist der Provenienzforschungsfondsfonds die einzige internationale Einrichtung, die sich der Finanzierung und Begleitung der Provenienzforschung widmet. Als einzigartiges Instrument zur Forschungsfinanzierung fördert er gleichzeitig durch seine wachsenden Netzwerke zwischen Europa und Afrika eine Erneuerung der Beziehungen zwischen den beteiligten Ländern. In diesem Sinne ist er ein Beispiel für eine deutsch-französische Partnerschaft, die einen europäischen Ansatz fördert.
Derzeit werden 18 Projekte abgeschlossen oder sind im Gange, an denen 125 Institutionen aus 22 Ländern und 157 Personen in den Forschungsteams beteiligt sind. Innerhalb von drei Jahren hat sich so ein einzigartiges transnationales Netzwerk gebildet, das 63 Fachleute aus 15 afrikanischen Ländern zusammenbringt. Die vom wissenschaftlichen Beirat unter dem Vorsitz von Souleymane Bachir Diagne ausgewählten Projekte entwickeln innovative methodische Ansätze im Forschungsfeld der Provenienz, die afrikanische communities in den Mittelpunkt des Forschungsprozesses stellen. Vor diesem Hintergrund werden bisher wenig untersuchte Sammlungen, die oft mit der deutsch-französischen Kolonialgeschichte in Verbindung stehen, sowie ethisch sensible Themen wie menschliche Überreste analysiert.
Programm des internationalen Symposiums
Das Symposium findet im Rahmen einer Woche der Vernetzung und des Wissensaustauschs statt, die speziell für dieses einzigartige Treffen von Fachleuten aus dem Bereich der Provenienzforschung konzipiert wurde. Als Gelegenheit zum Austausch gedacht, kann sie den Grundstein für zukünftige Kooperationen legen.
18. November: Ein Überblick. Im Musée du quai Branly-Jacques Chirac bietet der Tag einen Überblick über die großen Fragen der Provenienzforschung anhand der Vorstellung der Ergebnisse der 18 geförderten Projekte, eines Vortrags von Souleymane Bachir Diagne und einer Performance von Zora Snake. Kann die Provenienzforschung die Beziehungen zwischen Afrika und Europa neu gestalten? Welche Verbindungen bestehen zwischen ihr und Restitutionsfragen? Wie lässt sie sich kooperativ betreiben? Und welche Forschung brauchen wir für die Zukunft?
19. November: Die Quellen. Am Institut national d’histoire de l’art widmet sich der Tag der Erforschung der Vielfalt der Quellen im Rahmen von Workshops, an denen Mitglieder der Forschungsteams teilnehmen. Die herangezogenen Quellen sind sowohl materieller Natur, wie Pigmente, Textilien, Fotografien, Filme sowie Archive von Händler*innen und Sammler*innen, als auch immaterieller Art, etwa in Form von mündlichen Zeugnissen, Gesten und Erzählungen.
20. November: Erstrebenswerte Zukunftsvisionen. In der Cité internationale universitaire de Paris werden diese Überlegungen an diesem Tag fortgesetzt und der Blick auf die Zukunft gerichtet. Politische Entscheidungsträger*innen, Institutionen und Forschungsgruppen werden über den Aufbau von Kooperationen zwischen Europa und Afrika diskutieren. Den Abschluss bildet eine Einordnung der Provenienzforschung in den Kontext der Menschen- und Kulturrechte sowie eine Reflexion über die Zukunftsvisionen, die durch den Austausch von Wissen gemeinsam entworfen werden können.
Gastfreundschaft
Dank einer außergewöhnlichen Partnerschaft mit der Cité internationale universitaire de Paris werden Forscher*innen und Fachleute eine Woche lang gemeinsam auf dem Campus untergebracht. Die Cité wird so zum Herzstück einer Gemeinschaft aus Forscher*innen und Fachleuten. Das SPHINX-Projekt der Sorbonne Université übernimmt im Rahmen von „France 2030“ die Reise-, Unterbringungs- und Visakosten für dreizehn Teilnehmer*innen aus Subsahara-Afrika.
Das Symposium wird zum Gedenken an Hugues Heumen Tchana (1976–2025), Direktor des Nationalmuseums von Kamerun und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Provenienzfonds, organisiert.
Kontakt
Deutsch-französischer Provenienzforschungsfondsfonds zu Kulturgütern aus Subsahara-Afrika, angesiedelt am Centre Marc Bloch.
Julie Sissia – Wissenschaftliche Leiterin
julie.sissia@cmb.hu-berlin.dePhilon Griesel – Pressekontakt
philon.griesel@cmb.hu-berlin.de
Partner
Partenaires institutionnels de l’événement
musée du quai Branly-Jacques Chirac, Cité internationale universitaire de Paris, Sorbonne-Université, projet SPHINX France 2030, Institut national d’histoire de l’art
Avec le soutien de
Maison des Afriques/fondation Lucien Paye, Fondation des États-Unis, Fondation de l’Allemagne Maison Heinrich Heine, Fondation Suisse
Partenaires institutionels du fonds de provenance
Centre Marc Bloch, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministère de la Culture, Ministère de l’Europe et des affaires étrangères, Bundesministeriumfür Forschung, Technologie und Raumfahrt.