Gemeinsame Analyse kolonialer Fotografie: Togo, Deutschland, Frankreich

Das Projektteam PhotoTogo trifft sich am Arnold-Bergstraesser-Institut

Gemeinsame Analyse kolonialer Fotografie: Togo, Deutschland, Frankreich
Projektpartner*innen betrachten Fotonegative auf einem Leuchttisch im Museums-Depot (von links nach rechts: Messan Tossa, Adama Ayikoue und Marie Brualla Challet) | © ABI

Das Projekt „PhotoTogo – Kolonialfotografien aus Togo ins Licht rücken: wechselseitige, transnationale und interdisziplinäre Forschung“ wird vom französischen Kulturministerium und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) über den Provenienzforschungsfonds gefördert, der vom Marc-Bloch-Zentrum in Berlin verwaltet wird.

Am 28. und 29. Mai 2026 fand am Arnold-Bergstraesser-Institut der erste Projektworkshop statt, organisiert von Richard Legay und Matilda Giaccone. Die Gäste aus Togo, Frankreich und Deutschland hatten die Gelegenheit, sich zwei Tage lang persönlich zu treffen, um die verschiedenen Forschungsbereiche des Projekts voranzubringen: historische Analyse, Provenienzforschung und die Kuratierung einer Ausstellung.

Nach einer kurzen Diskussionsrunde und einer Einführung zu den Aktivitäten von ABI und ACT konzentrierten sich die Workshop-Teilnehmer*innen auf die Fortschritte in der Provenienzforschung. Marie Brualla Challet (CNRS – Cermès3) stellte erste Hypothesen zur Entstehung der Fotosammlung von Carl Schick, zu seiner Reise ins heutige Togo sowie zur – teilweise transnationalen – Verbreitung bestimmter Fotografien vor, die in anderen Archiven und Publikationen zu finden sind.

Am Nachmittag standen ein Besuch im Depot der Freiburger Stadtmuseen, ein Gespräch mit Deborah Schlecht und Nele Tschuschke (Ethnologische Sammlung) sowie die Begutachtung der Fotografien vor Ort auf dem Programm. Nachdem die Teilnehmenden mehrere Monate lang mit digitalisierten Versionen der Fotografien gearbeitet hatten, war die Gelegenheit, die Glasplatten und Aristotypien selbst in die Hand zu nehmen, für sie besonders wertvoll.

‘In front of the Regierungshaus in Kolem (Togo region)’, XHF/I/0339, 28.06.1905, Fotograf*in: unbekannt, Eingangsart: Schenkung | © Ethnologische Sammlung, Museum Natur und Mensch, Museen Freiburg
‘In front of the Regierungshaus in Kolem (Togo region)’, XHF/I/0339, 28.06.1905, Fotograf*in: unbekannt, Eingangsart: Schenkung | © Ethnologische Sammlung, Museum Natur und Mensch, Museen Freiburg

Tag 2: Ausstellungsprojekt der togolesischen Partner

Der zweite Tag war dem vom togolesischen Team geleiteten Ausstellungsprojekt gewidmet. Messan Tossa (Archives nationales), Adama Ayikoue (Ministère de la Communication, de la Culture et des Médias), Eferouwa Badjala Tomfai (Musée national) und Kokou Azamede (Université de Lomé) stellten ihre Ideen für eine Wanderausstellung in Togo vor, die es ermöglichen wird, die Fotografien landesweit dort zu zeigen, wo sie aufgenommen wurden.

Dank der Fachkenntnisse von Carine Peltier-Caroff (Iconothèque, Musée du Quai Branly), Christelle Rabier (EHESS Marseille) und Andreas Mehler (Arnold-Bergstraesser-Institut) bot der weitere Verlauf der Veranstaltung die Gelegenheit, die Analyse bestimmter Fotografien zu vertiefen, Orte, Regionen, Kleidung und spirituelle Wesen zu identifizieren sowie ethische Aspekte und Fragen der Machtverhältnisse zu erörtern.

Zuletzt ist hervorzuheben, dass die Analyse der Fotografien auf postkolonialen Ansätzen und Zielen basiert, um im Rahmen der geplanten Wanderausstellung in Togo ein breiteres Publikum zu erreichen. Kokou Azamede betonte insbesondere den kooperativen Charakter des Projekts und hob zudem die Bedeutung der „Dekonstruktion des kolonialen Blicks auf diese Fotografien“ hervor.

Gruppenfoto der Workshopteilnehmer*innen im Arnold-Bergstraesser-Institut (von links nach rechts: Eferouwa Badjala Tomfai, Carine Peltier-Caroff, Messan Tossa, Richard Legay, Marie Brualla Challet, Andreas Mehler, Kokou Azamede, Christelle Rabier, Adama Ayikoue, Matilda Giaccone) | © ABI
Gruppenfoto der Workshopteilnehmer*innen im Arnold-Bergstraesser-Institut (von links nach rechts: Eferouwa Badjala Tomfai, Carine Peltier-Caroff, Messan Tossa, Richard Legay, Marie Brualla Challet, Andreas Mehler, Kokou Azamede, Christelle Rabier, Adama Ayikoue, Matilda Giaccone) | © ABI